Aikido Dojo München

Itto-den Shinki Toho



Itto-den Shinki Toho bezeichnet eine Art Koryu-Kenjutsu, die in der Tradition des Ittoryu-Stils steht, der von Ittosai Kagehisa Ito und seinem Hauptschüler Jiróemon Tadaaki Ono (beide 16.−17. Jh.) gegründet wurde.
Itto-den bedeutet "auf der Überlieferung des Ittoryu stehend". Toho bedeutet "die Art und Weise, das Schwert zu führen". Shinki bedeutet "göttliches Ki" und ist der Name des Budo-Stils des Shinki-Toho-Leiters Michael Daishiro Nakajima, Shinkiryu Aiki Budo Soke (Aikido 7. Dan, Shihan Aikikai Tokyo, Daitoryu Aiki Jujutsu 9. Dan, Shihan Bokuyokan).
Ittoryu hat zahlreiche Abzweigungen wie Itoha, Onoha mit vielen Unterabzweigungen, Mizoguchiha, Kougen-Ittoryu, Tenshin-Ittoryu, Hokushin-Ittoryu, Itto-shoden Mutoryu, usw. Shinki Toho versucht zum einen, die technischen Stärken dieser Schulen herauszufinden, und zum anderen, sich nach den Schulen zu orientieren, die über die Schwertführung hinaus geistig nach der "Schwertlosigkeit" strebten, wie Tenshin Ittoryu oder Mutoryu (siehe www.shinkiryu-aiki-budo.de, Rubrik Kenjutsu). Kenjutsu (Schwertkunst): Itto-den Shinki Toho.

Kenjutsu (jap. = Schwertkunst) war das Herz der japanischen Kampfkünste. Was zuerst als die wirksame (Mord−)Waffenkunst gepflegt wurde, hat später allmählich und in der Nach−Samurai−Zeit endgültig den Charakter der Geistesschulung erhalten. Schon in der Samurai-Zeit selbst gab es durchaus humanes Bewusstsein unter den großen Meistern, dass das Töten selbst eines bösen Menschen nichts Gutes war. So waren der Begründer der Shinkage−ryu (ryu = Stilrichtung, Schule), Nobutsuna Kamiizumi (ca. 1508−1580), und sein Nachfolger Sekishusai Yagyu (1527−1606) sehr darum bemüht, die Kampfkunst zu entwickeln, sich ohne Schwert gegen den Schwertkämpfer zu verteidigen. Es war auch die allgemein verbreitete Auffassung derjenigen, die sich in der Schwertkunst vertieft haben, dass am Ende der Geist viel entscheidender ist als die Schwertführung selbst. In der Nach-Samurai-Zeit hat der Begründer des Aikido, Morihei Uéshiba (1883−1969), diesen Weg der "Gewaltlosigkeit" konsequent verfolgt. Aber auch hier hat er seine waffenlose Kampfkunst auf der Basis der Schwertkunst aufgebaut.

Die heutige Bedeutung des Kenjutsu liegt also erstens darin, dass man es als Voraussetzung und Basis der japanischen Kampfkünste übt, und zweitens darin, dass es in sich − weit entfernt von der Tötungskunst − die Möglichkeit enthält, sich nicht nur körperlich, sondern auch geistig zu schulen, wodurch die geistigen Qualitäten wie Mut, Entschiedenheit, Rücksicht, Bescheidenheit, Aufmerksamkeit, die Bereitschaft zum Tod usw. sowie vor allem das Ki gefördert werden. Es gab nun hunderte Stilrichtungen des Kenjutsu in der japanischen Budo-Geschichte. Auch heute werden manche Stilrichtungen weiter geübt oder sogar weiterentwickelt, und manchmal werden auch neue Stilrichtungen kreiert. Aus dieser Vielfalt nehmen wir eine Stilrichtung besonders heraus, die Ittoryu genannt wird. Der Grund ist nicht nur, dass dieser Stil eine sehr renommierte Schule und eine der beiden Hauptschulen war, von denen in der Ära des Tokugawa-Shogunats (1603−1867), mindestens in deren ersten Hälfte, die Schwertmeister des jeweiligen Shoguns (Oberster Samurai-Herrscher) empfohlen wurden, sondern auch deswegen, weil Sokaku Takeda, der Großmeister des Daitoryu Aiki Jujutsu und der maßgebliche Lehrer des Aikido−Begründers Morihei Uéshiba, Ittoryu intensiv trainiert hat und dessen Bewegung und Haltung einen großen Einfluss auf Daitoryu und folglich auch auf Aikido ausgeübt haben.
Denn wir wollen wie Morihei Uéshiba den Weg des Friedens verfolgen, unabhängig davon, ob man Aikido trainiert oder nicht.

Ittoryu wurde von Ittosai Kagehisa Ito (16.−17. Jh.) begründet und von seinem besten Schüler Tadaaki Jiroémon Ono weitergetragen. Alle heute bekannten Ittoryu−Richtungen stammen von diesen beiden, unabhängig von der Frage, ob sie Ito−ha (ha = Partei, Gruppe) heißen oder Ono−ha. Die bekannten Ittoryu−Schulen sind z.B. Mizoguchi−ha, Ono−ha, Ito−ha, Kogen−Ittoryu, Tenshin−Ittoryu, Hokushin−Ittoryu und Itto−Shôden−Mutoryu. Es gab bzw. gibt auch viele andere kleineren Gruppierungen. Dies zeigt, dass die Schwertkünste von Ittosai Ito und Tadaaki Ono im Lauf der Geschichte sehr verschieden interpretiert wurden. Takeda Sokaku hat zwar Onoha−Ittoryu gelernt, wir wissen aber nicht richtig, welcher Richtung von Onoha er angehörte. Da der Lehrer seines Lehrers Toma Shibuya in der Forschung noch unbekannt ist. Man vermutet aber, dass der Stil wohl Nakanishi−ha (eine Untergruppierung des Ono−ha) war. Auch heute gibt es mehrere Zweige allein innerhalb des Onoha-Ittoryu und sie sind stark im Wandel, z.T. durch den Einfluss des modernen Kendo.

Wir versuchen, gute technische Aspekte dieser Stilrichtungen nicht nur des Onoha Ittoryu, sondern des Ittoryu überhaupt aufzunehmen. Gleichzeitig wollen wir der Betonung des Geistes eine besondere Aufmerksamkeit schenken. In dieser Hinsicht waren Tenshin−Ittoryu und Itto−Shoden−Mutoryu besonders hervorragend, die beide von den Meistern begründet wurden, die im Zen zur Erleuchtung gekommen waren. Vom Begründer des Tenshin−Ittoryu, Muneari Terada (1745−1825), heißt es, dass von der Spitze seines Schwertes flammenartiges Ki ausgeströmt sei, sodass junge Spitzenkämpfer vor ihm gar keine Chance hatten, ihn zu besiegen, obwohl er schon auf die 60 zuging (damals ein sehr hohes Alter). Interessant ist in diesem Zusammenhang zu wissen, dass er nicht hauptsächlich auf das Jiyu−Geiko (= freier Kampf) sondern auf Kumitachi−Übung Gewicht gelegt hatte. Mutoryu wiederum wurde vom 11. Soke des Onoha−Ittoryu, Tesshu Yamaoka (1836−1888), gegründet, der die allzu "prachtvolle" Entwicklung des Onoha Ittoryu kritisiert hat und das "Mu" (das leere Herz) des Zen in die Ittoryu−Schwertkunst übertragen wollte. (Itto−Shoden heißt wahre Überlieferung des Ittoryu.) Ein Zeuge berichtet: Die Schwertführung von Tesshu am Ende seines Lebens war langsam. Manchmal hat er aber in die Richtung des Hals sanft Tsuki−Bewegung gemacht. Auf dem Weg nach Hause hatte dieser Zeuge das Gefühl gehabt, als ob der Wind durch seinen Hals durchweht.

Unser Ziel ist der Aufbau des eigenen Shinki Toho (toho = Art und Weise bzw. Gesetz der Schwertführung), das verschiedene Ittoryu−Interpretationen berücksichtigt. Deswegen ist Shinki Toho "Itto-den", d.h. auf der Überlieferung des Ittoryu basierend. Es kommen auch einige Elemente, die uns zusätzlich gut erscheinen.
Insgesamt in Frage kommen die Kamae−Übung, die Odachi−Formen (fast nur die Formen, die von Ittosai Ito selbst her überliefert sind), die Kodachi(= Kurzschwert)−Formen und die Tanto(= Messer)−Formen. Odachi−Form bedeutet, mit dem Langschwert den Angriff mit dem Langschwert abwehren. Kodachi−Form heißt, mit dem Kurzschwert den Angriff mit dem Langschwert abwehren. Schließlich heißt Tanto−Form, dass man mit dem Messer den Angriff mit dem Langschwert abwehrt. Auf diese Weise reduzieren wir eigene Waffen fortwährend und lernen allmählich und fortschreitend, uns ohne Schwert gegen den Angriff mit dem Langschwert zu verteidigen. Es hat nämlich nicht wirklich Hand und Fuß, wenn man sich gegen den Angriff mit dem Langschwert mit leeren Händen verteidigen will, ohne selbst die Schwertführung zu beherrschen.
Insgesamt geht es nicht vordergründig um die Vermehrung der Techniken, sondern um die Verdichtung der Seele bzw. des Ki bei der Schwertführung. Deswegen braucht man sich nicht zu beeilen, alle Formen zu erlernen. Man darf sich ruhig 10 Jahre Zeit nehmen, nur um die Grund−Odachi−Formen zu lernen.

Geschrieben vom Shinki Toho Leiter Michael Daishiro Nakajima